Über eine 15-jährige Zusammenarbeit mit dem Illustrator und Grafiker Hansjörg Langenfass (1940 bis 2018)


Aus Begegnungen entstehen Kooperationen oder sogar Freundschaften. So erlebte ich es 1971 mit Hansjörg Langenfass. Mit Joost C. Bloemsma gründeten wir zu dritt eine Arbeitsgemeinschaft namens »bookteam«, wobei alle drei ihre bisherige Tätigkeit beibehielten. Jörg, wie wir ihn nannten, hatte gerade eine unerfreuliche Zusammenarbeit beendet; ich hatte mich soeben als Buch-Hersteller selbständig gemacht (einen Berufsstand, den es als »Freie« zuvor noch nicht gab) und Joost war fest angestellt in einem Buchverlag.

bookteam war sofort erfolgreich, denn wir übernahmen in Arbeitsteilung die Herstellung für den Parabel Verlag in München. Da es sich um Bilderbücher handelte übernahm Jörg Langenfass zusammen mit seiner Frau Eva die ergänzende typografische Gestaltung und ich kümmerte mich um die Technik, also Repro, Druck, Papier und Bindung. Da Jörg gleichzeitig ein Illustrator war, erschienen von ihm auch eigene Titel. Und Evas präzise Technik, beispielsweise mit dem damals üblichen Letraset sogar sauber zu arbeiten haben mich sehr beeindruckt.

 


Da kommt der Willibald. Parabel Verlag 1974

Andere Verlage folgten in dieser Konstellation: Der Weismann-Verlag mit seinen kritischen Jugendbüchern, sowie Antje Kunstmanns Frauenbuchverlag, für die die beiden ohnehin schon tätig waren, aber auch Umschläge für Ernst Battenbergs Verlage zu Numismatik-Themen. Die enge Zusammenarbeit wurde sehr persönlich in den Zeiten vor Fax oder gar Internet. Besprechungen und Treffen waren zwischen Ismaning und München-Solln oder später Buchendorf sehr häufig.

 


Herr Bertold Brecht sagt. Weismann Verlag 1970

Hartmut Panskus war zu dieser Zeit Verlagsleiter beim Mosaik Verlag und zeigte dabei eine enorme Planungs- und Konzeptdynamik. Für die Verlage Bertelsmann und Gruner+ Jahr entwickelten wir ein Spiele-Programm, das für den Kioskverkauf vorgesehen war, die »Eltern-Spieltaschen«. An die 50 Titel wurden dabei produziert, wobei Jörg auch selbst als Illustrator tätig war. In der Zusammenarbeit mit Panskus gründete ich eine Agentur für Produktentwicklung, die PuG GmbH in München. Ein riesiger Stamm von Illustratoren gehörte dazu, aber auch Redakteure und Autoren.

 


Titel von Eltern-Spieltaschen. Gruner+Jahr 1972, 1973

Da große Dinge nun schon mal in Arbeit waren folgten alsbald weitere Großprojekte. Die Einführung der amerikanischen Sesame Street stand beim Deutschen Fernsehen bevor. Wir durften parallel dazu für Gruner+Jahr alle begleitenden Druckprodukte entwickeln und produzieren, wozu Bücher, Malbücher, Geschenkartikel und sogar Puppen gehörten. Langenfass war wieder selbst als Illustrator tätig, aber auch in der Koordnination zwischen den verschiedenen Illustratoren wichtig.

 


Bilderbuch der Sesamstraße von Hansjörg Langenfass 1973


Kaum war die Sesamstraße realisiert ging es schon weiter mit einem Märchen-Partwork, wieder für das Kioskgeschäft von Gruner+Jahr. Märchen wurden neu illustriert (wir verfügten damals in der Zusammenarbeit bereits über 15 bedeutende Illustratoren). Die Märchen wurden leicht gekürzt und in hochwertiger Qualität bearbeitet. Hier entstanden über 50 verschiedene Hefte.

 

 


Märchen Partwork 1972, 1973. Titel von Hansjörg Langenfass

Dazwischen gab es Projekte für Industrie und Handel, aber auch einzelne Bücher, bei denen wir zusammen arbeiteten. Serien an Basisgestaltung und Vordrucken entstanden für den Bayerischen Volkshochschulverband. Und vielleicht ein besonderes bekanntes Projekt wurde die Arbeit für die SPD München zum Wahlkampf in München 1984, der erfolgreich mit der Wahl Georg Kronawitters abgeschlossen wurde.

 

 


Vordruck-Plakat. Wahlkampf für die SPD München 1984

Ich hatte mein Arbeitskonzept geändert, wollte neben der Hersteller- und Prouktionerarbeit vor allem mein Kerngebiet, die Typografie wieder mehr aktivieren (wozu in den Jahren zuvor so wenig Zeit blieb). 1985 beendeten wir unsere überragende Groß-Zusammenarbeit. Einzelne Projekte gab es weiterhin, doch die Freundschaft und ein fast selbstverständliches gegenseitiges Verständnis untereinander blieben bis zuletzt. Hansjörg Langenfass starb am 20. September 2019.